Fr, 20. Mär. 2020   Beran, Philip

CoViD-19 - Schreiben an Studierende

Liebe Studierende,

wir leben in einer Krise. Prüfungen sind vorläufig abgesagt, der Vorlesungsbeginn ist verschoben. Dieses und vieles mehr habe ich seit meiner eigenen Zeit als Student noch nie erlebt und es beschäftigt mich, vermutlich wie viele von Ihnen, sehr. In dieser Situation mein Appell an Sie: Tragen Sie aktiv dazu bei, das Ausmaß der Krise zu begrenzen. Reduzieren Sie ihre sozialen Kontakte mindestens um einen Faktor 10! Und wahren Sie immer die nötige Distanz von mindestens 1,5 m. Wenn Sie interessiert, warum ich das schreibe, lesen Sie weiter.

Vor einer Woche, am Freitag den 13. März, war ich im Rahmen meines Forschungssemesters noch zu einem Forschungsaufenthalt an der University of Auckland in Neuseeland. Spätsommer auf der Südhalbkugel in einem wahrhaft schönen Land, das hat meiner Frau und mir sehr gut gefallen. Da haben uns die Nachrichten von Schulschließungen und Verschiebungen von Prüfungen und Vorlesungsbeginn aus Deutschland erreicht. Mein Zimmerkollege, ein Professor aus den USA, hatte bereits seit einigen Tagen überlegt, ob und wie er seine Reisepläne verändert. Wir dachten aber, wir bleiben noch wie geplant bis Ende März. Am Wochenende ging es dann etwas ruhiger zu, Auckland hatte das Pasifika Festival, zu dem wir eigentlich wollten, kurzfristig abgesagt. Da habe ich mir mal die Zahlen zur Ausbreitung des Koronavirus näher angeschaut und analysiert. Dabei habe ich das folgende Diagramm erstellt:

Datenquelle: Johns Hopkins University, Stand 13.3.2020

Angezeigt ist jeweils die Zunahme der nachgewiesenen Infektionen im Vergleich zum gleichen Tag der Vorwoche

Die betrachteten Länder waren unsere geplanten Zwischenstopps auf dem Rückflug (Australien und die Vereinigten Arabischen Emirate), Italien als das am meisten betroffene Land in Europa und Südkorea als lange am meisten betroffenes Land außerhalb China und natürlich Deutschland und Frankreich, weil meine Eltern dort wohnen.

Die damals aktuelle Wachstumsrate lag für Deutschland bei mehr als +400 % pro Woche. Und mir war klar, dass die eingeleiteten Maßnahmen wegen der Inkubationszeit erst mit mindestens einer Woche Verzögerung wirken würden. Und die Wachstumsraten in Deutschland und Frankreich waren zuvor nur langsam gesunken. Für mich war die Schlussfolgerung, dass Ende dieser Woche statt der damaligen 3675 Fälle das Vier- bis Fünffache zu erwarten war.

Wenn wir in den Wirtschaftswissenschaften Zins- und Zinseszinseffekte betrachten, dann sind 10 % Zuwachs pro Jahr (10 % jährlicher Zins) schon viel. Hier haben wir ein Wachstum, das pro Woche vierzigmal höher ist, aber auch annähernd exponentiell verläuft. Nachdem wir noch eine Nacht darüber geschlafen hatten, haben wir am Montag die Konsequenz gezogen und haben uns ein neues Rückflugticket für den gleichen Tag besorgt (das ging zum Glück da noch gut und zu gut vertretbaren Preisen). Seit Dienstag sind wir zurück in Essen und lassen unsere Eltern und Kindern zumindest nicht ganz allein auf der anderen Seite der Welt – wenn wir auch Besuche fast vollständig einstellen.

Stand heute früh (und Berichtsstand 19.3.) meldet die Johns Hopkins University 15.320 Fälle für Deutschland, das heißt eine Vervierfachung in weniger als einer Woche. Wenn das exponentiell so weitergehen würde, hätten wir in 6 Wochen über 60 Millionen Infektionen (Wer es nicht glaubt, bitte mit dem Taschenrechner oder Smartphone nachrechnen).

Meine Schwiegermutter hat gestern das Virus mit der Pest verglichen. Es gibt sicher Ähnlichkeiten, aber die Analogie stimmt aus verschiedenen Gründen nicht: bei Pestepidemien sind im Mittelalter bis zu einem Drittel der Bevölkerung gestorben, die Mortalitätsrate beim Coronavirus wird auf unter 2 % geschätzt. Und wir haben viel mehr medizinisches Wissen und eine viel bessere medizinische Versorgung als vor 1000 oder 500 Jahren. Aber wir sind auch viel mobiler: ein durchschnittlicher Autofahrer legt pro Tag rund 40 km zurück und ist weniger als eine Stunde unterwegs. Zu Fuß im Mittelalter brauchte ein Mensch dafür 2 ganze Tage. Und um um die halbe Welt zu fliegen, braucht man auch weniger als zwei Tage.

Daher breitet sich das Virus aktuell so rasant aus, auch wenn aus verschiedenen Gründen die oben genannte Infektionszahl von drei Viertel der deutschen Bevölkerung in weniger als zwei Monaten nicht erreicht werden wird. U.a. liegt die Zahl der schon jetzt tatsächlich Infizierten in Deutschland wie anderswo zweifellos höher als die bestätigten Fälle. Damit ist die Ansteckungsrate pro tatsächlich Infiziertem niedriger. Aber grob gesagt, führt eine (häufig erst spät erkannte) Infektion innerhalb einer Woche aktuell zu rund vier neuen Fällen. Wenn wir das Gesundheitssystem aber nicht überlasten wollen, dann müssen wir den Wert sehr rasch auf eine Neuinfektion pro Patienten senken. Dann wird – zumindest nach einer gewissen Zeit, wenn auch wieder Menschen von der Krankheit genesen und manche, hoffentlich sehr wenige, auch sterben – die Anzahl der Patienten in den Kliniken und Arztpraxen nicht mehr weiter steigen. Das muss passieren, damit das Gesundheitssystem nicht überlastet wird – die aktuellen Bilder aus Italien sind hier für mich eine große Warnung.

Das Virus wird im Wesentlichen durch Tröpfcheninfektionen im direkten sozialen Kontakt übertragen. Daher folgt aus dem Gesagten ganz grob, dass jeder und jede seine sozialen Kontakte im Durchschnitt um den Faktor vier senken muss. Da Ärztinnen und Pfleger, Busfahrerinnen und Kassierer usw. (und vermutlich auch einige von Ihnen in Ihren Studentenjobs) das aber nicht in dem Maße können und ein paar Leichtfertige und Dumme das auch nicht machen, müssen wir anderen mindestens um einen Faktor zehn reduzieren! Also leisten Sie bitte Ihren Beitrag. Und reden Sie mit Ihren Kumpels und Freundinnen, jüngeren und älteren Geschwistern, Eltern und Großeltern… Sie als junge Leute sind potenziell Übertrager des Virus, ohne dass Sie selbst Symptome einer Infektion haben. Sie sind also ganz besonders gefragt, wenn es darum geht, die Pandemie zu begrenzen.

Seien Sie kreativ, wie Sie trotz reduzierter sozialer Kontakte den Spaß nicht verlieren oder Ihre Zeit für etwas Nützliches einsetzen. Sich weiterbilden, ob im eigenen Studienfach oder in anderen Bereichen, ist sicherlich eine Möglichkeit. Das Internet bietet dazu viele Möglichkeiten und auch wir werden spätestens mit dem neuen Semester hier Angebote machen. Wir stellen hier sobald wie möglich Informationen zur Verfügung und werden auch zu den Prüfungen und Lehrveranstaltungen des Lehrstuhls informieren, sobald die Abstimmung mit den anderen Zuständigen in der Universität erfolgt ist. Wir werden aber auf jeden Fall sicherstellen, dass Ihnen durch die aktuelle Situation keine Nachteile bei den Prüfungen entstehen.

Ich wünsche Ihnen vor allem gute Gesundheit, aber auch eine gute Portion Zuversicht in diesen schwierigen Zeiten. Gemeinsam können wir die Krise bewältigen, da bin ich überzeugt. Auch wenn von jeder und jedem einiges an Anpassung an die neue Situation verlangt wird.

Ihr Christoph Weber

 

P.S.: Für alle, die es genauer wissen wollen, hier gibt es eine Zusammenstellung medizinstatistischer Informationen zum Coronavirus, die auch in die oben gemachten Überlegungen eingeflossen sind: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html#doc13776792bodyText6.

Eine aktuelle Stellungnahme von Experten mit einer Einschätzung möglicher zukünftiger Entwicklungen findet sich auch hier https://www.dgepi.de/de/aktuelles/article/stellungnahme-der-deutschen-gesellschaft-fuer-epidemiologie-dgepi-zur-verbreitung-des-neuen-coronavirus-sars-cov-2/108.

Und noch der Hinweis auf den Podcast mit Prof. Christian Drosten, dem Virologen, der in Deutschland am meisten zum Coronavirus geforscht hat: https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html. Unser Sohn hat mir den sehr ans Herz gelegt.

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